Warum der Vario 545 5


Wie kam es eigentlich dazu, dass wir uns einen Pössl Vario 545 bestellt haben? Das ist eine lustige und spannende Geschichte, an der wir Euch teilhaben lassen wollen.

Wir waren mit unserem Alkoven Eura Mobil Terrestra 570HS eigentlich sehr zufrieden. Wir hatten unsere geliebte Heckrundsitzgruppe, Stauraum ohne Ende und im doppelten Boden fand mein ganzes Surf Equipment platz. Das Design gefiel uns sehr gut und meine Frau hatte sich endlich an die Fahrzeughöhe von 3,20m gewöhnt 🙂 Warum also was Neues?

Weil ich Zeit hatte, war ich 2014 auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Eigentlich nur, um mal wieder zu gucken. Viele kleine Wohnmobile bis 6m gibt es für unsere Bedürfnisse nicht, so dass ich doch erstaunt feststellen musste, dass zum Einen unser aktuelles Womo ganz schön teuer geworden ist und zum Anderen, dass ich die meiste Zeit in den Kastenwagen Hallen verbracht habe. Irgendwie hat es mich immer wieder dahin verschlagen und dann stand ich auf einmal vor dem Pössl Vario 545.

Man muss dabei wissen, dass ich schon immer ein Fan von Kastenwagen mit Hochdach war. Bevor wir unseren ersten 20 Jahren alten Gebrauchten gekauft hatten (ein Roßhirt – die gibt es gar nicht mehr…) wollte ich den Concorde Compact. Doch der war uns damals einfach zu teuer.

Also stand ich nun vor dem Vario 545. Cooles Teil. Das wäre ja genau mein Ding. Raumaufteilung super. Wohngefühl dank dem Hochdach super. Bett im Hochdach perfekt. Bad quer, auch eine schicke Idee. Und Stockbetten im Heck. Hmmmm. Aber keine gemütliche Rundsitzgruppe mehr. Das ist doof. Die lieben wir wirklich. Aber dafür extrem viel Stauraum und das bei nur 5,41m Länge.

Ich unterhielt mich etwas mit einem Verkäufer, wir nahmen die Stockbetten raus und haben nachgemessen. Das Surfzeug, wenn ich mich umstelle, würde auch Hochkant und etwas schräg reinpassen. Aber im großen Jahresurlaub den ganzen tollen Stauraum unter dem Stockbett für das Surfzeug hergeben? Kommt auch nicht in Frage. Für einen kurzen Wochenendtrip Okay, aber nicht für längere Zeit. Na gut. Schickes Teil.

Zuhause bekam ich die Idee nicht so recht verkauft, trotz tollem Prospekt 🙂 Hier ein paar Bilder aus dem Prospekt:

Quelle der Fotos: http://www.poessl-mobile.de

Wir legten das Thema erst mal wieder auf die Seite. Wir hatten ja was Schönes. 2015 kam das Thema von alleine wieder hoch. Wir stellten fest, dass unser jetziger auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und wir überlegten uns, was man wohl noch für das Womo bekommt. Wir fuhren zu einem Wohnmobil Händler und ich zeigte meiner Frau zum ersten Mal den Vario 545 live. Und siehe da, dass Feuer war geschürt :-). Aber teuer ist der schon…

Wir begannen zu recherchieren, was wir für Unseren noch bekommen würden. Die Range war ziemlich groß. Von geht gar nicht, bis „wenn wir den Preis erzielen können, könnten wir uns den Vario 545 leisten“. Wir sind dann 2015 zusammen zum Caravan Salon in Düsseldorf gefahren. Wir haben uns wirklich Zeit gelassen und viele Modelle verglichen.

Wir hatten bisher 2 Kastenwagen und einen Alkoven. Und als wir so durch die Hallen schlenderten, stellten wir beide fest, dass unser Herz doch für die Kastenwägen schlägt. Wir hatten uns damals den Alkoven gebraucht zugelegt, weil wir trotz Heckrundsitzgruppe extrem viel Stauraum für mein Surfzeug im doppelten Boden hatten, nicht mehr ständig umräumen mussten und das Womo nur 6m lang war. Und es war auch vom Design und der Inneneinrichtung wirklich schön.

Am Liebsten hätten wir uns einen gebrauchten ein bis zwei Jahre alten Vario 545 gekauft. Aber es gibt bei uns ein Kriterium, was uns extrem wichtig war. Wir wollten wieder ein dunkles Womo, weil wir oft frei stehen und man einfach besser in der Landschaft verschwindet. Es geht dabei nicht darum, dass wir irgendwo illegal rumstehen und uns verstecken müssen. Aber ein weißes Womo sticht in Südeuropa an einsamen Stränden immer raus. Die Teile sieht man ja kilometerweit. Und dann stehen auf einmal x Womos auf dem gleichen Platz. Neben der Farbe waren uns noch ein paar andere Kleinigkeiten wichtig, aber wir stellten fest, dass es den Vario 545, so wie wir ihn wollen, gebraucht nicht geben wird :-(. Also bleibt nur eine Neubestellung. Puuuh. Die Zeit des Rechnens begann. Lohnt sich das? Wollen wir das wirklich machen? Welche Kompromisse gehen wir dabei ein? Fragen über Fragen.

In der Zwischenzeit haben wir uns einen Vario 545 für ein Wochenende gemietet. Warum? Es geht nun mal um viel Geld und das Womo soll die nächsten Jahre auch wirklich passen. Und es gab 3 Themen bzw. Kompromisse, die wir testen wollten, weil wir uns diese nicht vorstellen konnten.

Da wäre z.B. die Sitzgruppe. Wir lieben nun mal unsere Heckrundsitzgruppe. Super gemütlich, entspannt, toller rundum Blick etc. Der Test hat uns gezeigt, die Sitzgruppe mit integrierten Fahrersitzen geht, aber es ist kein Vergleich. Das Problem ist, irgendwo muss der Platz im Kastenwagen ausgenutzt werden und man findet quasi keine andere Möglichkeit, wenn man auch noch guten Stauraum benötigt. Es wäre definitiv ein Kompromiss. Würde gehen. Begeisterung sieht aber anders aus.

Dann wäre da der Kühlschrank. Wir waren bisher nur Absorberkühlschränke gewohnt, die auch mit Gas funktionieren. In einigen Kastenwagenmodellen, unter anderem im Vario 545, geht aber Bauart bedingt nur ein Kompressorkühlschrank. Also dauerhaft mit Strom und Kompressorgeräusche. Da wir sehr oft frei und ohne Strom stehen, wollten wir zumindest wissen, wie sich der Stromverbauch über 2 Tage so verhält. Danach fahren wir spätestens wieder weiter. Die Batterien im Mietwagen waren definitiv nicht voll und wir haben 2 Tage bei doch hohen Temperaturen ohne Probleme frei stehen können (also 2 Tage am Stück ohne weiterzufahren). Das wäre Okay. Das Geräusch vom Kompressor hat uns eigentlich nicht gestört. Ist ähnlich wie bei der Heizung. Auch nachts haben wir das Teil nicht wirklich wahrgenommen. Test bestanden. Funktioniert für unsere Bedürfnisse. Solar kann man notfalls ja immer noch nachrüsten.

Zuletzt wäre noch das Bett im Hochdach. Wenn Ihr den Artikel aufmerksam gelesen habt fragt Ihr Euch jetzt sicher, Hä? Die schlafen doch schon im Alkoven, die wollen doch unbedingt ein Hochdach, warum ist das ein Testkriterium? Ganz einfach. Hochkrabbeln und oben liegen ist super und gefällt uns. Das wussten wir vorher und hat sich auch bestätigt. Man schläft super da oben. Dazu noch das gute Heki zum Lüften. Perfekt. Aber. Wenn man oben angekommen ist, muss man sich erst mal rumdrehen, weil die Füße zum Fahrerhaus zeigen und der Kopf Richtung Wohnbereich 🙂 Das kann zu zweit schon mal lustig werden wenn nachts einer raus muss 😉 Als wirkliches Problem haben wir dies aber nicht erkannt. Es ist am Anfang etwas seltsam und ja, man wird auch wach wenn einer Nachts raus muss. Aber wir schlafen auch gleich wieder ein und wenn sich da ein Ablauf eingestellt hat, funktioniert das auch. Also Test auch bestanden. Ist nur eine Kleinigkeit zu dem super Schlaf da oben 🙂

Wir erstellten nach der Messe eine Liste, welche Modelle grundsätzlich für uns in Frage kommen würden.

  • Pössl Vario 545
  • Pössl 2Win Limited
  • Knaus Boxlife
  • Knaus Boxstar
  • Vantourer

Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin muss ich feststellen, dass ich eigentlich nicht mehr wirklich zum Windsurfen komme. Also reifte die Erkenntnis, dass ich eigentlich mein Surfzeug in den großen Jahresurlaub nicht mehr mitnehmen müsste. Das ist zwar sachlich richtig, aber es war schon eine harte Erkenntnis. Surfen war nun mal auch eine Lebenseinstellung… Aus diesem Grund konnten wir uns auch wirklich alle fünf Modelle vorstellen. Der Pössl 2Win, die beiden Knaus Modelle oder auch der Vantourer sind vom Prinzip und der Raumaufteilung identisch, wobei uns der Boxlife Innen und durch das höhenverstellbare Heckbett echt gut gefallen hat.

Der Vario 545 gefiel uns um Vergleich deutlich besser, aber er war auch deutlich teurer. Was tun? Wir kamen zu keiner wirklichen Entscheidung. Ich bin nun mal IT-ler und muss beruflich oft Angebote für Kunden vergleichen, auswerten, bewerten, Ergebnisse aufbereiten etc. Also warum das nicht auch für die Auswahl eines neuen Womos anwenden?

Ich erstellte eine Auswertematrix. Jedes der fünf Modelle wurde in der Variante Mindestausstattung, Maximalausstattung und gewünschte Ausstattung durchgerechnet. Mit eingeflossen ist Fracht und Überführung, möglicher Rabatt, Wert unseres Wohnmobil , gespartes Geld und bewertet wurde, welche Differenz wir noch zahlen müssten.

Nach dieser Auswertung ergab sich folgende Reihenfolge:

  1. Vantourer
  2. Knaus Boxlife
  3. Knaus Boxstar
  4. Pössl 2Win Limited
  5. Pössl Vario 545 – weit abgeschlagen und das Ersparte reicht nicht 😉

Also gut, dann der Vantourer? Nichts gegen den Vantourer, wir finden den wirklich schick, aber unser Herz schlägt dafür nicht. Wir waren in der Zwischenzeit bei einigen Händlern und immer wieder verweilen wir im Vario 545. Unser Herz hat eigentlich schon entschieden. Wir können uns eigentlich nur den Vario 545 richtig vorstellen.

Wie im Beruf auch, erweitertete ich meine Auswertung. Wie im wirklichen Berufsleben trennte ich zwischen kommerzieller und fachlicher Bewertung. Also führte ich noch folgende fachlichen Bewertungen mit ein:

  • Wohlfühlen
  • Aufteilung
  • Ausstattung
  • Stauraum
  • Herzentscheidung 🙂 – Sehr wichtig, wenn man sich was schön rechnen will! 🙂

Vergeben haben wir pro Kriterium max. 20 Punkte, also in Summe 100%. Dann habe ich noch eine Gewichtung vergeben:

  • Preis 70%
  • Fachliche Bewertung 30%

Ziel erreicht! Wie schafft man es, dass eigentlich das teuerste Produkte auf Platz 1 landet? Man braucht die richtigen Bewertungspunkte, eine sinnvolle Gewichtung und dann ergibt sich folgende Bewertung. Wobei wir natürlich schon ehrlich die Punkte vergeben haben. Aber das „Gefühlte“ konnten wir dann durch die Zahlen belegen:

  1. Pössl Vario 545
  2. Knaus Boxlife / Vantourer
  3. Knaus Boxstar
  4. Pössl 2Win

 

Das Ergebnis könnt Ihr Euch hier anschauen. Die Zahlen müsst Ihr Euch selbst ausrechnen, die habe ich verwischt weil ich nur das Prinzip darstellen möchte. Gerne stelle ich Euch die Datei zur Verfügung. Schreibt mich einfach an, wenn Interesse besteht.

Womo Modellrechner

Nach dieser Entscheidung haben wir uns dann die finale Konfiguration zusammen gestellt, gecheckt ob wir uns das Geld noch irgendwie hinsparen können und haben uns dann Angebote eingeholt. Und bei einem Händler hat alles gepasst. Wir haben bestellt.

Jetzt seit Ihr vom Lesen wahrscheinlich genauso platt wie wir vom Schreiben 😉 Wir hoffen, Euch hat der Artikel etwas Spass gemacht, vielleicht habt Ihr sogar ein paar neue Infos sammeln können.

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5 Gedanken zu “Warum der Vario 545

  • Jürgen Giese

    Sehr informativer Artikel! Ich denke ebenso über eine Anschaffung eines Pössl 545 nach. Bin „alter“ Windsurfer und frage mich, ob ich bei Verzicht auf die Stockbetten ( wir sind nur noch zu zweit normalerweise unterwegs), hinten ein Surfbrett (Lorch 115 l, Länge ca. 2,54 m, B 64 cm) mit Mast und 2 Segeln verstaut bekomme? Könntest du mir die Maße des maximalen Stauraums ohne Stockbetten geben?? Würde man alternativ auch Fahrräder verstauen können? Viele Grüße Jürgen

    • chris Autor des Beitrags

      Hallo Jürgen,

      zum Thema Surfbrett und Zubehör habe ich schon mal einen Artikel geschrieben. Schaue Dir den mal an. Ein 254-er Board sollte reingehen, und links unten wäre auch noch etwas Luft. Aber schaue Dir die Bilder mal an.

      https://myvario545.de/2017/03/28/bringt-man-surfbrett-und-segel-im-vario545-unter/

      Ich würde aber trotzdem empfehlen die Stockbetten mit zu bestellen und dann einfach rauszunehmen. Wenn Du ohne Surfbrett unterwegs bist wirst Du sehr dankbar über diesen Stauraum und Ablageflächen sein 😉

      Ich habe schon Fotos gesehen, wo Mountainbikes im Vario hinten transportiert wurden. Suche einfach mal über Deine Suchmaschine Deiner Wahl. Ich habe dies leider noch nicht ausgemessen oder ausprobiert.

      Viele Grüße
      Chris

  • Reinhard Hosenberg

    Hey Chris,
    wirklich sehr ausführlicher Beitag und dieser hilft uns bei der Auswahl unseres ersten Wohnmobils als Kastenwagen. Wir werden uns zunächst genau dieses Modell leihen und uns selbst für 14 Tage einen Eindruck ( live und und Farbe 😉 ) verschaffen. Wir sind schon sehr gespannt.

    Also, DANKE für die Impulse und Euch weiterhin eine gute Zeit 😉

    Gruß,
    Reinhard

    • chris Autor des Beitrags

      Servus Reinhard,

      das freut mich dass Euch unser Bericht bei der Entscheidung weitergeholfen hat. Lieder müsst Ihr aber noch ganz schön lange darauf warten wie ich gelesen habe 🙂

      Viele Grüße nach NRW 🙂
      Chris